Warum gibt es uns?

Gegenfrage:

Erinnern sie sich noch, wie es vor 25 Jahren war? Damals, relativ kurz nach der Wende.
Gab es da eigentlich schon die Fahrkartenautomaten in den Staßenbahnen?

Da steht nun also ein gerade aus der Haft entlassener Mann mit einem Koffer in der Hand und vielleicht einem Fernseher unter dem Arm vor der JVA – in der Tasche 50 Euro Entlassungsgeld. Die Kontakte zur Familie und zu alten Freunden sind in den vergangenen Jahren, die er in Haft saß, eingeschlafen. Die Bahn kommt, er steigt ein, er weiß nicht wohin, nur weg von der JVA, das ist klar. Er will beim Fahrer einen Fahrschein kaufen. Geht nicht, da gibt es gar kein Fenster, nur eine Sicherheitsglasscheibe. Während sich der Ex-Knacki noch wundert, sieht er, wie jemand einen Fahrschein am Automaten in der Tram löst. Er versteht, liest die Erklärung zu den Tarifzonen, will das passende Ticket ziehen und stellt nun fest, dass der Automat gar keine Geldscheine annimmt. Gut, denkt sich der Mann, dann eben nicht, setzt sich hin. Kontrolle, die Fahrscheine bitte, gegen Bewährungsauflagen verstoßen, willkommen zurück in der JVA!

Ganz so drastisch ist es natürlich nicht. Die Inhaftierten werden während ihrer Haftzeit auf die Entlassung vorbereitet, es finden begleitete Ausgänge statt und der Sozialdienst der JVA unterstützt die Inhaftierten nach Kräften bei der Vorbereitung auf ein Leben in Freiheit und der Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Aber so ganz ohne Hilfe von Außen ist es doch manchmal schwer, die Welt, die sich während der Haftzeit ja geändert hat, zu verstehen und sich in ihr zu bewegen, ohne anzustoßen. So vieles ist verlockend, kostet aber viel Geld. Manches ist verlockend, aber verboten. Und wenn in der Haft alle Mahlzeiten zu festen Zeiten gebracht wurden und der Tagesablauf streng geregelt war, so ist in Freiheit plötzlich alles anders. Eigenverantwortung ist auf einmal wichtig, Selbstorganisation und der sinnvolle und verantwortungsbewusste Umgang mit dem oft knappen Geld.

Bei all diesen Dingen kann der HUMANITAS e.V. Hilfe und Unterstützung anbieten. Denn oft weiß ein arbeitsloser Haftentlassener nicht, dass er ein Anrecht hat auf eine Grundausstattung an Möbeln und Geschirr, an Wäsche und Geräten wie Kühlschrank und Herd. Und selbst wenn er es weiß, benötigt er häufig Hilfe bei der Antragsstellung, mit den Formularen oder auch jemanden, der ihn bei Behördengängen begleitet.

Helfen, genau das tun wir in unserer täglichen Arbeit.